Südtiroler Schützenwesen nach dem 1. Weltkrieg
1946-1958 Eine Hand voll Männer, allen voran Georg Klotz (Walten), haben sich die Aufgabe gestellt in Südtirol das Schützenwesen wieder aufzubauen. Trotz der Schwierigkeiten mit den Behörden und der mangelnden finanziellen Mittel zur Anschaffung der Trachten ließen sie sich nicht von ihrem Weg abbringen.

2. März 1958 Der Südtiroler Schützenbund wurde in Bozen gegründet. Erster Landeskommandant wurde LH Ing. Alois Pupp (Brixen), erster Bundesmajor August Pardatscher (Kaltern).
1958 Gründung der ersten zwölf Kompanien; in Vorbereitung auf die 150 Jahrfeier der Tiroler Freiheitskriege 1809 wurden viele Schützenkompanien gegründet. Eine der ersten war jene von St. Andrä.
13. September 1959 Nahmen 2000 Südtiroler Schützen am Landesfestumzug in Innsbruck teil. Es war ein Bekenntnis zur gemeinsamen Heimat und eine Demonstration des Willens des Volkes im südlichen Teil, als Tiroler Volk in einem fremden Staat zu überleben. Eine massiv geschmiedete Dornenkrone wurde im Zug als Zeichen der Trauer und des Schmerzes über die Zerreisung Tirols mitgetragen.
1961 Senator Dr. Karl Mitterdorfer wurde neuer Landeskommandant.
1962 Erlass des italienischen Innenministers: er verbot das Tragen von Uniformen in "paramilitärischen" Verbänden im Zuge der Sprengstoffanschläge von 1961, in der eine Reihe führender Schützenoffiziere involviert waren. Der Bund stellte seine Tätigkeit ein.
1962 - 68 Nur rd. 25 Kompanien aus dem Burggrafenamt, einzelne im Unterland (Tramin) und Eisacktal (Trens) führen trotz der Inaktivität des Bundes Aktivitäten durch. Sie forderten ab 1965 vehement die Wiederbelebung der Tätigkeit des Bundes.
26. Mai 1968 Wiederbelebung des Bundes durch Bestellung eines neuen Bundesmajors in der Person von Dr. Bruno Hosp (Ritten). Wiedergründung einer Reihe von Schützenkompanien, die im Zuge der "Verbotszeit" sich aufgelöst hatten.
11. Oktober 1970 Erstes Landesfest in Meran, es war das erste große Auftreten und Lebenszeichen des Bundes nach der Verbotszeit. Statt der erwarteten 2000 Schützen drängten sich 4500 Schützen vor dem Andreas Hofer Denkmal.
1975 Gründung der Alpenregion der Schützen: die Schützenbünde Bayerns, Tirols und Südtirols schlossen sich unter der Schirmherrschaft der LH-Leute Magnago, Wallnöfer und des bayr. Min. Präs. Goppel zusammen.
1984 Dr. Bruno Hosp wurde Landeskommandant, Dr. Michl Ebner Bundesmajor.
9. September 1984 Großer Landesfestumzug anlässlich der 175 Jahrfeier der Tiroler Befreiungskrieg von 1809. Die Dornenkrone, welche nur durch den unermüdlichen Einsatz von Major Jörg Pircher mitgetragen werden konnte, wurde zum Großteil von Burggräfler Schützen getragen.
24. November 1986 Auf der Landesversammlung der SVP in Meran demonstrierten Schützen für das Selbstbestimmungsrecht und gegen das Paket. Die Schützen etablieren sich damit zum ersten Mal als politisch selbstständig denkende Kraft.
1989 Pius Leitner wurde Landeskommandant, da Hosp in der Landesregierung den Posten des Kulturlandesrats übernimmt; neuer Bundesmajor wurde Ing. Stephan Gutweniger (Algund).

1991 Nachdem der Staat für Sicherheitseinrichtungen und Renovierungsarbeiten am "Siegesdenkmal" in Bozen mehrere hundert Millionen Lire zur Verfügung gestellt hat, und die von Land und Stadt Bozen einzusetzende Kom-mission über die "Entsymbolisierung" des Denkmals nicht einmal bis zur Ernennung der Mitglieder kam, veranstaltet der Südtiroler Schützenbund einen Protestmarsch; dieser ordnungsgemäß angemeldete Marsch vom Waltherplatz zum Siegesdenkmal wurde polizeilich verboten, aber trotzdem durchgeführt. Rd. 2000 Schützen und ebensoviel Zivil-bevölkerung demonstrierten friedlich, wurde von fanatischen italienischen Jungfaschisten angespuckt, be-schimpft, tätlich angegriffen. Während die ausgeforschten Jugendlichen nicht gerichtlich belangt wurden, wurde das Präsidium des SSB angezeigt; in erster Instanz freige-sprochen, in 2. Instanz in Trient mit der Begründung verurteilt, dass den Verordnungen des Staates, seien sie auch ungerecht oder gegen die Rechte des Bürgers, Folge zu leisten ist. Gegen dieses Urteil wurde am Kassations-gerichtshof in Rom rekurriert und ein voller Freispruch (1995) erzielt, weil Bürgerrechte zumindest gleichwertig den Ordnungsprinzipien des Staates sind. In Folge wurde der Quästor in Bozen ersetzt.
15. September 1991 Fand am Brenner die Veranstaltung "Nachdenken über Tirol" statt.
29. März 1992 Fand eine außerordentliche Bundesgeneralversammlung im Kursaal von Meran statt. Thema war der Paketabschluss und die bevorstehende Streitbeilegungserklärung Österreichs.
1993 Pius Leitner, eben erst als LK bestätigt, ging entgegen seinen Beteuerungen in die Politik und kandidierte für den Landtag. Er trat als LK zurück; der Posten wurde für ein Jahr nicht besetzt, die beiden LK-Stellvertreter Prof. Dr. Luis Ploner (Seis) und Klotz (Walten) übernahmen gemeinsam die Führung des Bundes.
1994 Der bisher einfache Schütze Dr. Richard Piock (Meran), Manager eines international tätigen Unternehmens wurde als "Quereinsteiger" Landeskommandant.
17. September 1995 Der Gesamttiroler Schützenbund, eine Art Dachorganisation der Schützen-bünde des historischen Tirol, wurde in Innsbruck gegründet und feierlich, unter Anwesenheit der Landeshauptleute und der Äbte der fünf Hochstifte, aus der Taufe gehoben. Dr. Luis Zingerle, der frühere Bundeskulturreferent der Südtiroler Schützenbundes wurde 1. Obmann.
24. April 1996 In Gedenken an den Mord an Franz Innerhofer durch faschistische Terrorhorden 1921 in Bozen, wurde eine Gedenkveranstaltung veranstaltet; anschließend ein Schweigemarsch mit Fackeln zum Siegesdenkmal durchgeführt. 1000 italienische Nationalisten mussten von Polizeikräften in Schach gehalten werden. Der Siegesplatz wurde symbolisch, durch Anbringen einer entsprechenden Straßenbeschilderung, in Franz Innerhofer Platz umgetauft.

1. Juni 1996 200 Jahre Gelöbniserneuerung. Rund 10.000 Menschen erneuerten das Gelöbnis zum Hl. Herzen Jesu, rd. 6000 Schützen nahmen am feierlichen Kirchgang vom Palais Toggenburg zum Dom in Bozen teil. Über die Form dieser Feier gab es bis zuletzt Ausein-andersetzungen zwischen Schützen und Vertretern der Kirche, die den historisch patriotischen Charakter der Gelöbniserneuerung aus Rücksicht auf die italienische Bevölkerung, die keinen Bezug zu diesem historischen Fest hat, verdrängen wollte.
4. November 1996 Der Schützenbund wollte durch einen Kordon von angeketteten Schützen am Sicherheitszaun des Siegesdenkmals die Kranzniederlegung der offiziellen Stellen des Militärs verhindern. Dies wurde verboten, die Polizei im Unklaren gelassen was die Schützen unternahmen. Sie machten Bozen zu einer belagerten Stadt.
Die Schützen blamierten die Polizei, über einen Code sagen sie die Demonstration ab. Ab diesen Zeitpunkt erschien pünktlich zu jedem 4. eines Monats ein Pressekommunique mit Coulagen, Bil-dern oder sarkastischen Hinweisen auf die Gefahr eines neuerlichen "Schwarzen 4. Novembers." Diese Maßnahmen nervten
1997 Wurde zum ersten Mal kein Kranz von den offiziellen Militärs niedergelegt. Die militärischen Feiern fanden von nun an im Innenhof des Rathauses von Bozen statt.

1998 Im Februar veranstaltete der SSB eine Diskussionsrunde mit Vertretern italienischer Parteien. Eine neue Phase einer Kommunikationskultur wurde eingeleitet.
Im Juni wurde - organisiert vom Transitforum Tirol - der Brenner blockiert, um gegen die Verkehrspolitik der EU zu demonstrieren. Als aktive Heimatschützer war es den Schützen ein großes Anliegen daran teilzunehmen.
2000 Bundesgeneralversammlung in Bozen, die Bundesleitung rückte das erste mal mit Säbeln in Südtirol aus.
24. Juni 2000 Im Rahmen der feierlichen Aufführung der "Festmusik für Schützen - Tiroler Zapfenstreich" auf dem Bozner Walterplatz, schossen Südtiroler Schützen in Südtirol erstmals seit dem ersten Weltkrieg offiziell eine Ehrensalve. Kommandiert wurde die Ehrenformation des Bundes von Mjr. Dr. Peter Piock (Meran).
2001 Paul Bacher wurde zum Landeskommandanten gewählt.