Wie schon 1909 war auch im Jahr 1959 das Gedenken an die Freiheitskämpfe der Anlass, in Marling die Schützenkompanie neu zu formieren. Beim großen Festumzug in Innsbruck konnte bereits eine Abordnung teilnehmen und die alte, über Jahrzehnte versteckt gehaltene Kompaniefahne mit sich führen. Und schon am 2. Jänner 1960 fand dann die offizielle Gründungsfeier statt. Viele als unüberwindlich geltende Hindernisse konnten dank Idealismus und Zusammenhalt gemeistert werden. Mit Begeisterung trat die neu gegründete Kompanie zu Feiern im Dorf und auf Landesebene an. Doch ein neuer Schlag von offizieller Seite ließ nicht lange auf sich warten.
Als am 30. April 1961 die Marlinger Schützen an einer Gedenkfeier des von den Faschisten ermordeten Marlinger Lehrers Franz Innerhofer teilnahmen, wurden sie wegen Tragens einer "Uniform" angezeigt. Nach einigen Repressalien und Durchlaufen mehrerer Gerichtsinstanzen konnte dann aber endgültig geklärt werden, dass die Schützen keine Uniform, sondern das "Bäurische", die Tracht ihrer Väter tragen. Auch aus diesem Grund tragen die Marlinger Schützen bis heute keine Chargen auf ihrem Wollenhemd.
In dieser schwierigen Zeit der 60er Jahre, in denen ein vom Innenminister erlassenes Ausrückungsverbot bestand (1961-1968), musste die Aktivität der Kompanie stark eingeschränkt werden. Mit weiteren vier Kompanien wurde der "Arbeitsausschuss Burggrafenamt" gegründet.
Eine Wende und zugleich ein Freudentag für das Südtiroler Schützenwesen, und für die Marlinger Kompanie im Besonderen, war das Bezirksfest des Burggrafenamtes und Passeier in Marling am 21. Mai 1968, an dem ca. 500 Schützen teilnahmen. Dieser Christi-Himmelfahrts-Tag stellte einen Meilenstein im Schützenwesen dar.
Endlich konnte man wieder ein reguläres Tätigkeitsprogramm ausführen! Die 70er und 80er Jahre waren daher von zahlreichen Ausrückungen geprägt. Jene bei Freunden in Schwaz und Ehingen sind dabei besonders zu erwähnen. 1984 hat sich die Kompanie tatkräftig und vorbildlich für die Restaurierung des St. Felix-Kirchleins eingesetzt. Die neue Kompaniefahne wurde 1986 geweiht - es war eine der letzten Aktionen unter der Führung des späteren Ehrenhauptmanns Josef Leiter.
Nach einem Nachwuchsproblem in den 1990ern ist die Kompanie heute wieder erstarkt und arbeitet zielstrebig für die Heimat Tirol und das Schützenwesen. In kurzer Zeit wurden Jungschützen motiviert, Säbel und Gewehre eingeführt sowie ein neues Schützenheim errichtet. Jung und Alt sind freund- und kameradschaftlich verbunden, und die jährlichen Neuzugänge lassen auf eine erfreuliche Zukunft der Marlinger Schützenkompanie hoffen!