Burggräfler Schützenwesen nach dem 1. Weltkrieg

Schützen aus Lana in der Zeit zwischen 1943-45, Ort unbekannt.

Die Wiederbelebung des Schützenwesens im Burggrafenamt geht auf das Jahr 1946 zurück, als bei der 150-jährigen Herz-Jesu-Feier in Bozen erstmals Waltener Schützen in Tracht teilnahmen.

Im Jahr 1950 wurde die Schützenkompanie Walten in Passeier von Georg Klotz als erste Kompanie des Landes wiedergegründet. 1953 formierten sich dann die Schützenkompanien Platt und St. Leonhard in Passeier und schlossen sich mit Walten zum Bataillon Passeier zusammen.

Im Jahre 1957 wurde von der Schützenkompanie Walten zu Ehren der Gefallenen am Kriegerdenkmal in ihrem Dorf eine Ehrensalve abgefeuert. Angezeigt vom damaligen Kuraten in Walten, Franz Simmerle, wurden Georg Klotz sieben Tage, Vigil Pixner und Richard Ilmer jeweils fünf Tage im Meraner Gefängnis eingekerkert.

Als am 2. März 1958 der Südtiroler Schützenbund in Bozen gegründet wurde, wurde Georg Klotz zum ersten Landeskommandant-Stellvertreter gewählt.

Im Jahre 1958 wurden die ersten Burggräfler Kompanien gegründet: die erste in Lana, eine weitere in Algund und die dritte in Partschins. 1959 wurden in Vorbereitung auf die 150-Jahr-Feier der Tiroler Freiheitskriege von 1809 neun weitere Kompanien gegründet.

Franz Höfler und seine Kameraden 1959 in Innsbruck. Er ist der dritte Schütze von links, unmittelbar neben dem Adler.

Am 13. September 1959 nahmen 2.000 Südtiroler Schützen am Landesfestumzug in Innsbruck teil. An der Spitze des Zuges trugen Burggräfler Schützen, unter ihnen auch Franz Höfler, einen großen Tiroler Adler als Zeichen der Einheit des Landes.

Am 18. September 1960 fand das erste Burggräfler Bezirksfest in Lana statt.

Im Jahre 1962 erfolgte der Erlass des italienischen Innenministers, der das Schützenwesen für Jahre fast zur Gänze zum Erliegen bringen sollte. Er verbot im Zuge der Sprengstoffanschläge von 1961, in die eine Reihe führender Schützenoffiziere involviert war, das Tragen von Uniformen in „paramilitärischen“ Verbänden. Der Bund stellte daraufhin seine Tätigkeit ein.

Zwischen 1962 und 1968 führten nur rund 25 Kompanien, überwiegend aus dem Burggrafenamt, trotz der Verbotszeit Aktivitäten durch.

Am 24. April 1964 wurden 17 Marlinger Schützen, die in Tracht an der Franz-Innerhofer-Gedenkfeier in Bozen teilgenommen hatten, angezeigt. Der Prozess am 5. Juni in Bozen endete mit einem Freispruch, weil eine Tracht nicht als Uniform galt. Festgehalten wurde jedoch, dass das Tragen der Federn auf dem Hut und die Rangabzeichen die Tracht zu einer Uniform machten.

Am 28. März 1965 bildete sich aus 23 Kompanien der Arbeitsausschuss Burggrafenamt. Für viele andere Schützen im Land, die sich wieder regten, war dieser Ausschuss die Anlaufstelle. Faktisch waren die Delegierten der Burggräfler die geheime Bundesleitung.

Im Jahre 1965 fand in Meran der erste Landesschützenball statt, organisiert vom Arbeitsausschuss Burggrafenamt.

Am 23. Mai 1968 fand das zweite Burggräfler Bezirksfest in Marling statt.

Am 26. Mai 1968 wurde Alois Piock, Gründungshauptmann der Schützenkompanie Meran, Bezirksmajor und Landeskommandant-Stellvertreter, da der bisherige Bezirksmajor Jörg Pircher nach wie vor als politischer Häftling eingekerkert war. [undefinedweiterlesen…]

Am 11. Oktober 1970 wird das erste Landesfest in Meran abgehalten. Es war das erste große Auftreten der Schützen nach der Verbotszeit. Statt der erwarteten 2.000 Schützen drängten sich 4.500 vor dem Andreas-Hofer-Denkmal.

Die Wiltener mit Gewehren bei der Feldmesse am Sandplatz in Meran.

Am 13. Oktober 1974 findet ein weiteres Landesfest in Meran statt. Es war seit der Teilung des Landes das erste und einzige Mal, dass einer Nordtiroler Schützenkompanie das überschreiten des Brenners in Wehr und Waffen gestattet wurde. So feuerte die Schützenkompanie Wilten auf dem Sandplatz in Meran zwei Ehrensalven ab. Ein denkwürdiger Tag im Herzen Tirols!

Am 1. Mai 1977 wurde Jörg Pircher aus Lana erneut zum Bezirksmajor und Landeskomandant-Stellvertreter gewählt.

Am 9. September 1984 fand der große Landesfestumzug anlässlich der 175-Jahr-Feier des Tiroler Befreiungskrieges von 1809 in Innsbruck statt. Die Dornenkrone, welche nur durch den unermüdlichen Einsatz von Major Jörg Pircher mitgetragen werden konnte, wurde unter anderem von Burggräfler Schützen getragen.

Am 29. September 1984 erfolgte die Segnung des Andreas-Hofer-Denkmals in Bregenz (Vorarlberg); eine Ehrenformation des Bataillons Passeier feuerte dabei die Ehrensalve ab.

Aktion "Götterdämmerung" 1986 in Meran.

Auf der 13. Landesversammlung der SVP am 24. November 1986 in Meran demonstrierten 14 Burggräfler Hauptleute mit 50 Offizieren für das Selbstbestimmungsrecht und gegen die zu nachgiebige Paket-Politik. Mit der Operation "Götterdämmerung", wie die Aktion hieß, etablierten sich die Schützen zum ersten Mal als politisch selbstständig denkende Kraft. Dieser Ordnungsruf für die Politiker und die damalige Schützenführung, die den Schützenbund für parteipolitische Zwecke missbrauchte, war ein markanter Denkanstoß. Anführer dieser "Revolte" waren Peter Piock (Meran) und Wolfram Klotz (Walten). Sie wurden für fünf bzw. drei Jahre suspendiert.

Am 16. August 1988 wurde Jörg Pircher, Bezirksmajor und Landeskommandant-Stellvertreter, in Lana zu Grabe getragen. Auf der Beerdigung waren alle Kompanien des Südtiroler Schützenbundes mit ihrer Fahne vertreten.

Im Frühjahr 1989 wurde Hans Staffler aus Gargazon, der bisherige Stellvertreter, zum neuen Bezirksmajor gewählt. Wolfram Klotz aus Walten zum Landeskommandant-Stellvertreter gewählt und neuer Bundesmajor wurde der Algunder Ing. Stephan Gutweniger.

Walter Pixner, Hauptmann der Schützenkompanie Walten, lies sich, wie alle Schützen, trotz Provokationen der Faschisten nicht aus der Ruhe bringen.

Nachdem der italienische Staat für Sicherheitseinrichtungen und Renovierungsarbeiten am sogenannten "Siegesdenkmal" in Bozen mehrere hundert Millionen Lire zur Verfügung stellt und die von Land und Stadt Bozen einzusetzende Kommission über die "Entsymbolisierung" des Denkmals nicht einmal bis zur Ernennung der Mitglieder kommt, veranstaltet der Südtiroler Schützenbund am 20. Mai 1991 einen Protestmarsch. Dieser ordnungsgemäß angemeldete Marsch vom Waltherplatz zum Siegesdenkmal wird polizeilich verboten, aber trotzdem durchgeführt. Rund 2.000 Schützen und ebensoviel Zivilbevölkerung demonstrieren friedlich, werden von fanatischen italienischen Jungfaschisten angespuckt beschimpft, tätlich angegriffen.

Während die ausgeforschten Jugendlichen nicht gerichtlich belangt werden, wird das Präsidium des SSB angezeigt. In erster Instanz freigesprochen, in 2. Instanz in Trient mit der Begründung verurteilt, dass den Verordnungen des Staates, seien sie auch ungerecht oder gegen die Rechte des Bürgers, Folge zu leisten ist. Gegen dieses Urteil wird am Kassationsgerichtshof in Rom rekurriert und ein voller Freispruch (1995) erzielt, weil Bürgerrechte zumindest gleichwertig den Ordnungsprinzipien des Staates sind. In Folge wird der Quästor in Bozen ersetzt.

Am 29. März 1992 fand eine außerordentliche Bundesgeneralvesammlung im Kursaal von Meran statt. Thema war der Paketabschluss und die bevorstehende Streitbeilegungserklärung Österreichs.

Pius Leitner, eben erst als LKdt. am 28. März 1993 bestätigt, ging entgegen seinen Beteuerungen in die Politik und kandidierte für den Landtag. Er tritt in Folge als LKdt. zurück, der Posten wurde für ein Jahr nicht besetzt, die beiden LKdt-Stellvertreter Prof. Dr. Luis Ploner und Wolfram Klotz übernahmen gemeinsam die Führung des Südtiroler Schützenbundes.

Am 17. April 1994 wurde Dr. Richard Piock aus Meran, Manager eines international tätigen Unternehmens und bisher einfacher Schütze, als "Quereinsteiger" Landeskommandant.

Burggräfler Ehrenformation 1995 in Innsbruck.
Protest vor dem Siegesdenkmal 1996 in Bozen.

Am 17. September 1995 wird der Gesamttiroler Schützenbund, eine Art Dachorganisation der Schützenbünde des historischen Tirol, in Innsbruck gegründet und feierlich in Anwesenheit der Landeshauptleute und der Äbte der fünf Hochstifte aus der Taufe gehoben. Dabei feuerte die Ehrenformation Burggrafenamt/Passeier offiziell eine Ehrensalve ab. Die allgemeine Begeisterung war so groß, dass, obwohl während der Messfeier als Salut zur Wandlung abgefeuert, die tausenden Anwesenden in spontanen Applaus ausbrachen. Ausgebildet worden war die Ehrenformation von der Schützenkompanie Wilten.

Am 24. April 1996 wird im Gedenken an den Mord an Franz Innerhofer durch faschistische Terrorhorden 1921 in Bozen eine Gedenkfeier veranstaltet, anschließend ein Schweigemarsch mit Fackeln zum Siegesdenkmal durchgeführt. 1000 italienische Nationalisten mussten von Polizeikräften in Schach gehalten werden. Der Siegesplatz wurde in "Franz-Innerhofer-Platz" durch das Anbringen einer entsprechenden Straßenbeschilderung symbolisch umgetauft.

Am 1. Juni 1996 fand die Veranstaltung "200 Jahre Herz-Jesu-Gelöbnis" in Bozen statt. Rund 10.000 Menschen erneuerten das Gelöbnis zum Hl. Herzen Jesu, rund 6000 Schützen nahmen am feierlichen Kirchgang vom Palais Toggenburg zum Dom in Bozen teil. Über die Form dieser Feier gab es bis zuletzt Auseinandersetzungen zwischen Schützen und Vertretern der Kirche, die den historisch patriotischen Charakter der Gelöbniserneuerung aus Rücksicht auf die italienische Bevölkerung, die keinen Bezug zu diesem historischen Fest hat, verdrängen wollte.

Die Dornenkrone in Telfs.

6.000 Schützen nahmen am 30. August 1998 am 15. Alpenregionsfest in Meran teil, das von den vier Meraner Kompanien organisiert worden war.

Am 4. Oktober 1998 wurde in Telfs die Dornenkrone aufgestellt, die anlässlich des Andreas-Hofer-Gedenkjahres von 1984 von den Schützen durch Innsbruck getragen worden war. Eine Ehrenformation, bestehend aus Wiltener und Burggräfler Schützen, schoss eine Ehrensalve.

Bei der 50-Jahr-Feier der Schützenkompanie Walten am 31. Juli 2000 schoss die Schützenkompanie Partschins als erste Kompanie in Südtirol eine offizielle Ehrensalve.