Burggräfler Freiheitskämpfer der 1960er Jahre

Jörg Pircher, Hofmannbauer

Georg Pircher - Hofmannbauer

Georg Pircher, auch "Hofmann Jörg" oder "Jörg Pircher" genannt, wurde am 23. Februar 1926 auf dem elterlichen Hofmann-Hof in Lana geboren. Wie viele andere erkannte der junge Hofmannbauer am Ende der fünfziger Jahre die völlige Erfolglosigkeit der offiziellen Politik. Wie Kerschbaumer, Klotz, Amplatz und Muther in Süd-Tirol, Oberhammer, Pfaundler, Welser, Klier und Burger in Nord-Tirol, kam er zur Überzeugung, dass die Zeit der Worte vorbei sein muss, wenn man überleben will. Der siebenfache Familienvater wusste, dass es ohne Hilfe Österreichs keinen aktiven Widerstand geben kann. So fuhr er, nach politischen Vermittlungen, zu dem damaligen Außenminister Kreisky nach Wien. Er und Kerschbaumer sprachen ein offenes Wort und erhielten eine offene Antwort: "Es ist gut, wenn in Südtirol Bomben explodieren, denn nur auf diese Weise wird die Welt auf dieses Problem aufmerksam!", so Kreisky. In einer einzigen Aktion sprengte der BAS (Befreiungsausschuss Südtirol), welchem unter anderem Sepp Kerschbaumer, Kurt Welser, Jörg Pircher und Helmut Riedl angehörten, in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 insgesamt 37 Hochspannungsmasten und beschädigten einige weitere schwer. Als Zeitpunkt war die Herz-Jesu-Nacht gewählt worden, die an das Gelöbnis der Tiroler Landstände vom 1. Juni 1796 erinnerte, fortan das Fest des Herzen-Jesu feierlich begehen zu wollen, wenn Tirol von der drohenden Feindesgefahr befreit werden sollte. Das Ziel war: durch größtmögliche Schädigung des italienischen Staates, jedoch unter Schonung von Menschen und Privateigentum, die Weltöffentlichkeit auf das Süd-Tirol-Problem aufmerksam zu machen und dadurch auf den Besatzungsstaat Druck auszuüben. Die BAS-Aktivisten aus Süd- und Nord-Tirol unterbrachen durch gezielte Sprengstoffanschläge die wichtigsten elektrischen Überlandleitungen. Dadurch wurde die Stromversorgung Bozens, jener Stadt, die noch heute das Paradebeispiel schlechthin für die Italienisierungspolitik Roms ist, unterbrochen und die der bedeutendsten oberitalienischen Industriezonen empfindlich gestört. In Völlan, oberhalb von Lana, unternahm Jörg Pircher zusammen mit Walter Gruber und Luis Egger einen Anschlag auf die Wasserröhren des E-Werkes, auch im Sarntal erfolgte ein Anschlag auf das Kraftwerk. Insgesamt wurden acht Kraftwerke stillgelegt und sieben von insgesamt neun Überlandleitungen unterbrochen. Die meisten Anführer hatten sich für die Nacht Alibi besorgt. Diese erwiesen sich dann angesichts der durch schwere Folterung erzwungenen Geständnisse als vergeblich. Am 13. Juli 1961 wurde Jörg Pircher verhaftet. Übelste und gemeinste sadistische Folterungen musste er über sich ergehen lassen. Die Narben sind geblieben, besonders jene, als man den zu Tode gefolterten Schützenkameraden seiner Kompanie, Oberjäger Franz Höfler, zu Grabe getragen hat, und als man seinen besten Freund, Luis Egger, zum lebenslangen Krüppel schlug. Die Feuernacht und ihre Folgeanschläge haben unbestritten die Entwicklungen in der Süd-Tirol-Frage erheblich beschleunigt. Noch im gleichen Jahr befasste sich die UNO (zum wiederholten Mal) mit der Frage, diesmal aber unter geänderten Vorzeichen und unter den Augen der internationalen Öffentlichkeit. Es ergaben sich neue Entwicklungen, wie die Einsetzung der sogenannten 19er-Kommission, unter deren Federführung ein Vertragswerk ausgearbeitet wurde, das etwa 10 Jahre später als Süd-Tirol-Paket in Kraft treten sollte. Italien geriet durch die Feuernacht unter Zugzwang, da es sich gerade unter den Augen der internationalen Öffentlichkeit als demokratisches, zivilisiertes westliches Land darum bemühen musste, sein Gesicht zu wahren. Die dadurch zugesprochene Autonomie für Süd-Tirol, trotz des Verbleibs bei Italien, mag als akzeptable Lösung des Süd-Tirol-Problems angesehen werden.
Jörg Pircher und die Freiheitskämpfer der 60er Jahre träumten aber vom Selbstbestimmungsrecht, für das sie eigentlich gekämpft haben. Am Ende des Mailänder Prozesses sprach Jörg Pircher für alle 68 Angeklagten das viel beachtete Schlusswort: "Der Staatsanwalt hat uns Philonazisten, Terroristen, Pangermanisten und Irredentisten genannt. Das sind wir nicht! Wir sind Tiroler und Tiroler wollen wir bleiben! Wir wissen sehr gut, dass es auch vernünftige Italiener gibt. Aber diese sind in Süd-Tirol Mangelware! Wir sind auch nicht, wie einige Zivilvertreter gemeint haben, schlechte Familienväter. Gerade die Sorge um unsere Kinder hat uns getrieben […]. Wenn sich nun das hohe Gericht zurückzieht, soll es daran denken, dass hier nicht 68 ‚Hansln’ sitzen, sondern ganz Süd-Tirol!". 35 Stunden später wurde Jörg Pircher zu 14 Jahren und 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach 8 Jahren und 4 Monaten kehrte er als letzter Angeklagter des 1. Mailänder Prozesses 1969 in seine Heimat zurück, körperlich gebrochen, aber klar im Geiste als aufrechter und selbstbewusster Tiroler.
Jörg Pircher war Mitgründer der Schützenkompanie Lana im Jahre 1958. Ein Jahr darauf wurde er zum Bezirksmajor des Schützenbezirkes Burggrafenamt/Passeier gewählt und blieb dies bis 1968, da er aus Pietätsgründen nicht abgewählt wurde. Von 1971 bis 1977 war Jörg Picher Hauptmann der Schützenkompanie Lana, bis man ihn 1977 wiederum zum Bezirksmajor und auch zum Landeskommandant-Stellvertreter des Südtiroler Schützenbundes wählte. Beide Ämter hatte der Hofmannbauer bis zu seinem Tod am 12. August 1988 inne. Unter seiner Führung erlebte das Schützenwesen im Burggrafenamt einen großen Aufschwung. Mehrere Kompanien wurden auf seine Initiative hin gegründet. Auch war es sein Verdienst, dass beim großen Landesfestzug 1984 in Innsbruck die Dornenkrone unter großem Beifall mitgetragen wurde.
Sein Opfer für unsere Heimat bleibt unvergessen und ist uns Heutigen Verpflichtung im Einsatz für Freiheit und Recht, insbesondere für die Wahrung und Existenzsicherung der deutschen und ladinischen Volksgruppen in Süd-Tirol!

Franz Höfler aus Lana

Franz Höfler

Franz Höfler wurde am 26. September 1933 auf dem elterlichen Pallgut-Hof in Niederlana geboren. Schon in früher Jugend setzte Höfler mit Lananer Kameraden Zeichen des Protestes gegen die italienischen Besatzer. Unter anderem wurde die damals, im demokratischen Italien der 1950er Jahre, verbotene Tiroler Fahne an schwer zugänglichen Stellen gehisst oder aufgepinselt. Er war der erste Oberjäger der im Jahre 1958 wiedergegründeten Schützenkompanie Lana. Beim Festumzug in Innsbruck im Jahre 1959 zum 150. Gedenkjahr trug Franz Höfler mit Burggräfler Kameraden einen großen Tiroler Adler auf den Schultern. Franz Höfler war an der Vorbereitung und an der Ausführung der Feuernacht beteiligt. Daraufhin wurde er am 15. Juli 1961 verhaftet, in die Speckbacher-Kaserne nach Meran gebracht und dort gefoltert. Von den Misshandlungen hat Franz Höfler einige Folgeschäden davongetragen. Am 17. November musste er, mittlerweile im Bozner Gefängnis inhaftiert, ins Bozner Spital eingeliefert werden. Dort lag er einige Tag, ohne dass jemand zu ihm vorgelassen wurde. Franz Höfler starb am Abend des 22. November an den Folgen der Misshandlungen, alleine, erst 28 Jahre alt. Die Familie wurde nicht benachrichtigt, sie erfuhr es am nächsten morgen von einem Nachbarn, der die Todesmeldung im Radio gehört hatte. Seine Beerdigung, an der rund 10-15 Tausend Menschen teilnahmen, wurde zu einem schweigenden Massenprotest gegen die unmenschliche Behandlung der politischen Häftlinge. In Lana ist seit 1984 eine Straße nach ihm benannt. An der Einweihung der Franz-Höfler-Straße nahmen neben Bürgermeister Lösch auch die übrigen Mitglieder der Gemeindeverwaltung teil. Der frühere Obmann des Südtiroler Heimatbundes, Hans Stieler, hielt die Festrede und der Ritterkreuzträger und erste Schützenhauptmann der
wiedergegründeten Schützenkompanie Lana, Helmuth Valtiner schnitt vor den anwesenden Bürgern und Schützen das Band durch. Die Franz-Höfler-Straße ist heute sichtbares Zeichen der Wertschätzung, welche Franz Höfler von seiner Heimatgemeinde Lana entgegengebracht wurde und wird. Im März 2000 hat sich auch die Kompanie Lana den Beinamen ihres verstorbenen Mitgründers und Freiheitskämpfers Franz Höfler gegeben. Ihm zu Ehren wurde eine neue Kompaniefahne angefertigt, die am 26. Mai 2002 geweiht wurde. Fahnenpatin ist seine Schwägerin Anna Maria Höfler.

Georg Klotz aus Walten

Georg Klotz

Georg (Jörg) Klotz wurde am 11. September 1919 in Walten in Passeier geboren. Im Dezember 1939 rückte er zur Deutschen Wehrmacht ein, Kriegseinsatz in Norwegen, Russland und Italien. Verwundet und mehrfach ausgezeichnet, 1945 US-Gefangenschaft. In der Schmiede seiner Väter übte er zehn Jahre lang deren Handwerk aus. In diesem Zeitraum baute er mit Freunden unter großen persönlichen Opfern das Schützenwesen in Südtirol neu auf. Den Anfang machte er in Walten. 1950 wurde er zum Hauptmann und einige Jahre später zum Kommandanten des Schützenbataillons Passeier gewählt. Mit der Gründung des Südtiroler Schützenbundes 1958 wurde er 1. Landeskommandant-Stellvertreter. 1950 vermählte er sich mit der Lehrerin Rosa Pöll aus Platt in Passeier. Ihrer Ehe entsprossen sechs Kinder. In dieser Zeit entbrannte der Protest der Südtiroler gegen die Aushöhlung ihres Volkstums. Als Mann der Tat, der sich nie vor persönlichen Folgen scheute, stellte er sein ganzes Wollen und Tun in den Dienst seiner patriotischen Gesinnung. Ihr blieb er treu auch in den Jahren äußerster Bedrohung und in Verlassenheit im Exil. Viele Male hat er sein Leben riskiert, Verfolgung und Verbannung ertragen. Da ereilte ihn der Tod am 24. Jänner 1976 in seiner Köhlerhütte im Stubai. Tausende Tiroler Landsleute, darunter Schützen aus allen Tälern gaben ihm das letzte Geleit. Für seine Verdienste um den Wiederaufbau des Schützenwesens in Südtirol und die gute Zusammenarbeit mit den Schützenbünden in Nordtirol und Bayern erhielt er die Verdienstmedaille des Bundes der Bayrischen Gebirgsschützen, die goldene Verdienstmedaille des Bundes der Tiroler Schützenkompanien und wurde zum Ehrenmitglied der "Andreas Hofer" Schützenkompanie in Schwaz ernannt.

Luis Egger

Luis Egger

Luis Egger wurde am 19. April 1921 in St. Walburg im Ultental geboren und hatte als Kind einer großen Familie in einer armen Talschaft eine entbehrungsreiche Kindheit. Er besuchte heimlich die Katakombenschule, da die deutsche Schule verboten war und lernte schon als Kind die Angst vor der Gewalt des italienischen Staates kennen. Er stand von 1940 bis 1945 als Gebirgsjäger an der Front, bis er 1947 von der Kriegsgefangenschaft heimkehrte. Luis Egger war ein uneigennütziger Mensch, der stets für das Gemeinwohl eintrat. So arbeitete er aktiv beim Wiederaufbau der Feuerwehr und des Südtiroler Frontkämpfer-Verbandes mit. 1953 vermählte er sich mit Maria Zöschg. 1959 steckte er seine ganze Energie in die Gründung der Schützenkompanie St. Walburg, deren Hauptmann er 1960 wurde und es auch die Jahre der Haft hindurch bis zu seinem Tode 1982 blieb. 1961 nahm Luis Egger an den Sprengstoffanschlägen teil. Am 17. August 1961 wurde Egger verhaftet und in die Kaserne von St. Pankraz gebracht, wo er schwer misshandelt wurde. Jahrelange Kopfschmerzen, ein bleibender Gehörschaden und Invalidität waren die Folgen. Nach seiner Haftentlassung 1966 widmete er sich in seiner Heimat dem weitern Ausbau des Schützenwesens und arbeitete im Südtiroler Heimatbund, der Organisation der ehemaligen politischen Häftlinge, tatkräftig mit. In den Jahren seit seiner Haftentlassung war Egger nie mehr richtig gesund. Folter und Haft hatten ihn zermürbt. Am 17. Januar 1982 erlag er einem Schlaganfall. Sein guter Geist hat die Ultner Schützen geprägt und ist noch heute unter ihnen lebendig. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung hat sich die St. Walburger Kompanie im Jahre 2009 seinen Namen gegeben und heißt seitdem Schützenkompanie "Luis Egger" St. Walburg.