Jörg Pircher

1958 - 1961 / 1977 - 1988
Geboren am 23. Februar 1926 auf dem elterlichen Hofmannhof in Lana. Wie viele andere erkannte der junge Hofmannbauer am Ende der 1950er Jahre die völlige Erfolglosigkeit der offiziellen Politik. Wie Kerschbaumer, Klotz, Amplatz und Muther in Südtirol, Oberhammer, Pfaundler, Welser, Klier und Burger in Nordtirol, erkannte er, dass die Zeit der Worte vorbei sein muss, wenn man überleben will. Der sechsfache Familienvater wusste, dass es ohne Hilfe Österreichs keinen aktiven Widerstand geben kann. So fuhr er, nach politischen Vermittlungen, zu dem damaligen Außenminister Kreisky nach Wien. Er und Kerschbaumer sprachen ein offenes Wort und erhielten eine offene Antwort: "…Es ist gut, wenn in Südtirol Bomben explodieren, denn nur auf diese Weise wird die Welt auf dieses Problem aufmerksam!", sagte Kreisky. Am 20. Juli 1961 wurde Jörg Pircher verhaftet. Übelste und gemeinste sadistische Folterungen musste er über sich ergehen lassen. Die Narben sind geblieben, besonders jene als man den zu Tode gefolterten Schützenkameraden seiner Kompanie, Oberjäger Franz Höfler, zu Grabe getragen hat, und als man seinen besten Freund, Luis Egger, zum lebenslangen Krüppel geschlagen hat. Am Ende des Mailänder Prozesses sprach er für alle 68 Angeklagten das vielbeachtete Schlusswort: "Der Staatsanwalt hat uns Philonazisten, Terroristen, Pangermanisten uns Irredentisten genannt. Das sind wir nicht! Wir sind Tiroler und Tiroler wollen wir bleiben! Wir wissen sehr gut, dass es auch vernünftige Italiener gibt. Aber diese sind in Südtirol Mangelware! Wir sind auch nicht, wie einige Zivilvertreter gemeint haben, schlechte Familienväter. Gerade die Sorge um unsere Kinder hat uns getrieben…. Wenn sich nun das hohe Gericht zurückzieht, soll es daran denken, dass hier nicht 68 "Hanseln" sitzen, sonder ganz Südtirol!" 35 Stunden später wurde Jörg Pircher zu 14 Jahren und 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach 8 Jahren und 9 Monaten kehrte er als letzter Angeklagter des 1. Mailänder-Prozesses 1969 in seine Heimat zurück.
1958 war er Mitgründer der Schützenkompanie Lana. 1959 wurde er zum Bezirksmajor gewählt, und blieb dies bis 1968, da er aus Pietätsgründen nicht abgewählt wurde. Von 1971 bis 1977 war Jörg Picher Hauptmann der Schützenkompanie Lana, bis man ihn 1977 wiederum zum Bezirksmajor und 1978 auch zum Landeskommandant- Stellvertreter wählte. Beide Ämter hatte der Hofmannbauer bis zu seinem Tod am 11. August 1988 inne. Unter seiner Führung erlebte das Schützenwesen im Burggrafenamt einen großen Aufschwung. Auch war es sein Verdienst, dass beim Landesfestumzug 1984 in Innsbruck die Dornenkrone unter großem Beifall mitgetragen wurde.