Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 wurden die drei Landesschützenregimenter zusammen mit den Kaiserjägern an die russische Front verlegt, da Tirol nicht gefährdet schien.
Als 1915 Italien Österreich den Krieg erklärte, stand Tirol ohne nennenswerte Verteidigungs-truppen da. Italien marschierte mit zwei Armeen von ca. 200.000 Mann an der 350 km langen südlichen Tiroler Front auf. Tirol war wehrlos. In dieser schwierigen Lage wurden in aller Eile die Standschützen mobilisiert. Das waren jene Männer, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet oder das 42. Lebensjahr überschritten hatten, und Mitglieder eines Schießstandes waren. Aber auch diese pflichtigen Standschützen hätten nicht aus-gereicht wenn nicht weitere Freiwillige an die Front geeilt wären, um die Heimat zu verteidigen bis die regulären Truppen nach Tirol zurückkamen. Die Standschützen erfüllten jederzeit und überall ihre Pflicht und setzten getreu dem Motto der k. und k. Monarchie „Für Gott, Kaiser und Vaterland“ ihr Leben ein.
13. Mai 1915 Fand die Segnung der Bataillonsfahne (Bild oben)der Passeirer Standschützen am Sandhof statt. Das Bataillon umfasste vier Kompanien, wobei die letzte einen Monat vorher gegründet worden war. Drei Tage nach dieser beeindruckenden Feier am Sandhof traf das Telegramm ein, daß der Kaiser infolge der gefährlichen Lage mit Italien die Standschützen einberufen habe. Ein letztes Mal zogen die Passeirer Standschützen mit über 500 Mann in geschlossener Formation aus: in den Ersten Weltkrieg. An der Dolomitenfront und später am Tonale halfen sie die Heimat vor den anstürmenden Gegnern zu verteidigen, bis gegen Ende 1915 die Reste der Kaiserjäger und Kaiserschützen aus Galizien nach Tirol zurückkamen.
1918 Die Grenzen Tirols wurden erfolgreich verteidigt, alle Stellungen und Gräber gehalten, ehe im November die bittere Entscheidung fiel: Das zu fast hundert Prozent deutschsprachige Tirol südlich des Brenners wurde Italien zugesprochen.
Passeirer Schützenwesen nach dem 1. Weltkrieg
Mit der Machtübernahme der Faschisten in Italien (1922) und der Endnationalisierungspolitik in Südtirol, wurde alles, was zum tirolerischen Wesen des Landes gehörte, geächtet. Folgen hatte dies insbesondere auch für das Schützenwesen mit seiner entschlossenen heimattreuen Haltung. Nach der faschistischen Ära und dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren alle Organisationen zerschlagen. Trotzdem begann sich schon bald unter den Überlebenden des Krieges und Heimkehrern der Schützengeist zu regen. Aus dem Nichts – unter größten persönlichen Opfern, beseelt durch Gesinnung und das Bekenntnis zum Schützenwesen - ging man wieder an die Erstellung der Kompanien heran. Die finanziellen und materiellen Probleme lasteten auf den Schultern weniger Idealisten.
Ende der 40er Jahre regte sich der Schützengeist in Walten, wo bei Prozessionen in Schützentracht ausgerückt wurde, ehe 1950 die Schützenkompanie durch Georg Klotz wieder-gegründet wurde. Gleichgesinnte Männer aus den umliegenden Dörfern des Passeiertales rückten in den darauf folgenden Jahren mit der Schützenkompanie Walten aus, ehe sie eine eigenständige Kompanie wiedergründeten. Es seien u. a. Anton Auer sen. (Tirolerhof Tonig), Sepp Donà, Leo Ennemoser (Sand Leo), Sepp Ennemoser (Muchnbauer), Anton Folie (Brüh Tonig), Max Königsrainer (Wiedler), Josef Pichler (Redermocher) in St. Leonhard, Josef Götsch (Schneidermeister), Wendelin Pichler (Unterwirt) in St. Martin und Josef Pamer (Magdfeld), Josef Platter (Baur’n Sepp) in Platt, genannt.
1950 Renovierung des Daches des Bergfrieds der Jaufenburg von Seiten der Heimatpfleger und Passeirer Schützen, die später das Bataillon Passeier gründen. Die Renovierung des Daches des Bergfrieds der Jaufenburg stellte den Beginn dieser Zusammenarbeit dar. Zahlreiche Arbeits-stunden wurden dabei aufgebracht, um die Burg vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Unter großem persönlichen Einsatz machten sich diese Idealisten an die Erneuerung von Bildstöcken, Marterln und Kriegerdenkmälern.
1952 Gedenkfeier der Passeirer Schützen am Sandhof zu Ehren des Talhelden Andreas Hofer. Passeirer Schützen bei der Gedenkfeier am Paß Lueg (Salzburg) und in Oberalm, wo 1809 zehn Passeirer Schützen bei Gefechten gefallen waren.
1953 findet der offizielle Zusammenschluss der sich formierenden Schützenkompanien St. Leonhard und Platt mit der Schützenkompanie Walten zum Schützenbataillon Passeier statt.
Am Beginn standen vor allem die Gedenkfeiern zu Ehren Andreas Hofers beim Sandwirt im Vordergrund. Später wurden unüberwindbare Grenzen überschritten und die kameradschaftliche Bande mit der Schützenführung Nordtirols und Bayern verstärkt. Die Hilfe und das Verständnis für die Belange der sich im Aufbau befindenden Schützenkompanien des Passeiertales waren groß. An dieser Stelle sei der damalige Geschäftsführer des Bundes der Tiroler Schützenkompanien Major Franz Steinlechner genannt. Die Aktivität des Bataillons beschränkte sich nicht nur auf Aufmärsche und Kompaniegründungen. Gemeinsame Aktionen mit den Heimatpflegern von Passeier unter dem rührigen Obmann Sepp Doná sind Zeugnis der Mühe um die Erhaltung der Kulturdenkmäler im Passeiertal.