Gestärkt nach der Mittagspause war der Nachmittag zur freien Verfügung, einige gingen den Klettersteig zum Paternkofel, andere bestiegen die nahe Oberbachernspitze. Die am späten Nachmittag leicht einsetzende Schneewehe brachte eindrucksvoll vor Augen, was Unmögliches hier von den Soldaten in diesem Stellungskrieg abverlangt wurde. Häufig traf man noch auf Überreste aus dem ersten Weltkrieg. Am Abend saß die Gruppe auf der Hütte gemütlich zusammen und man ließ Erlebtes vom Tag noch einmal Revue passieren.
Am Sonntag brachen die Ersten um 5:30 Uhr auf, um den Sonnenaufgang auf der Oberbachernspitze mitzuerleben, und sie wurden nicht enttäuscht. Es war ein einmaliges Erlebnis in dieser Naturkulisse das wechselnde Farbenspiel mitzuerleben.
Nach dem Frühstück und dem Abschied von den Hüttenwirten ging es über den leichteren Wanderweg zum Paternkofel. Von hier aus erfolgte der Einstieg in den Tunnel, der von ital. Soldaten unter dem Paternkofel angelegt wurde und zur Dreizinnenhütte führt. 400m vom Tunnel sind noch erhalten, 200m wurden beim Rückzug der ital. Truppen gesprengt. Von den kleinen Zwischenausgängen hatte man einen guten Ausblick zu den berühmten Drei Zinnen.
Bei der Dreizinnenhütte wartete Günther Tschurtschentaler vom Naturpark Toblach, der Begleiter für den Sonntag. Er fing mit einer Einführung zum ersten Weltkrieg und der damaligen Situation rund um Sexten seine Führung an. Nun ging es über die Frontlinie entlang des Sextnerstein und dem Toblinger Knoten. Günther konnte zu jedem Meter, der zurückgelegt wurde, Begebenheiten und Kriegsgeschehnisse von diesem Teil der Front berichten. Vom Toblinger Knoten, der von den Standschützen besetzt war, ging es zum Einstieg des Klettersteiges. Alle blickten ungläubig nach oben, denn man konnte sich nicht vorstellen, dass auf diesen ausgesetzten Felswänden Holzvorbauten errichtet waren und Menschen hier einen ganzen Winter überlebten. Im Winter 1916/17 fielen bis zu 12m Schnee. Weiter ging es entlang noch gut erhaltener Frontstellungen der K.u.K Armee zum Gwengalpenjoch, wo dann die gut ausgebaute "Hptm. Demian-Stellung" folgte.
Auch die Flora der Dolomiten und deren Gesteinsmerkmale erklärte Günther Tschurtschentaler ausführlich. Unter anderem fand man auch das Edelweiß, das in den Dolomiten deutlich kleiner wächst als in den Stubaier oder Ötztaler Alpen, dort es aber seltener zu finden ist. Ein weiter Anstieg brachte die Teilnehmer zur Maschinengewehrstellung, zur "Kuppe West", die sogenannte "Kawzra"-Stellung. Diese war gut ausgebaut und in den Kavernen gab es noch alte Holzwände. Hier wurde eine Mittagspause eingelegt und der Bergführer berichtete über die Bergspitzen rundherum, über den Monte Piano, den Monte Cristallo, und wo welche Stellungen waren.