Salurn - Vor 80 Jahren verstarb der Salurner Rechtsanwalt Dr. Josef Noldin an den Folgen faschistischer Verfolgung und Unterdrückung. Josef Noldin hatte sich stark für die deutsche Sprache und Kultur eingesetzt. Bei der Gedenkfeier am Sonntag, dem 13. Dezember 2009, hielt Werner Neubauer die Ansprache, zu der die Schützenkompanie Salurn geladen hatte.
In der Pfarrkirche begrüßte Hauptmann Walter Ceolan die Schützen, die Ehrengäste sowie die Salurner Mitbürger. Ortspfarrer Paolo Crescini feierte die Heilige Messe. "Die Schützen bemühen sich auch im christlichen Sinne um kulturelle und geschichtliche Gerechtigkeit", sagte der Pfarrer. Nach dem Festgottesdienst schritten die Schützen, die Kaiserjäger, die Ehrengäste und viele Salurner zum Ortsfriedhof.
Dort blickte Hauptmann Walter Ceolan in seiner Ansprache kritisch auf den Tiroler Landesfestumzug vom 20. September zurück: "Die Veranstalter wollten ein Fest, wo Folklore im Vordergrund steht, ohne zu bedenken, dass im Süden Tirols einiges im Argen liegt", sagte er. Laut dem Salurner Schützenhauptmann sei beim Umzug "nicht alles demokratisch abgelaufen, da manche Transparente nicht zugelassen wurden". Auch was sich der Nordtiroler Landeskommandant Otto Sarnthein nach dem Festumzug erlaubt habe, sei unter jeder Kritik. Laut Ceolan würden "die Schützen hierzulande abgehört und bei Veranstaltungen immer wieder fotografiert".
Die Gedenkrede am Grabe von Josef Noldin hielt Werner Neubauer, Nationalratsabgeordneter und Südtirol-Sprecher der FPÖ. Der Abgeordnete im österreichischen Parlament brachte seine Sorgen für die deutsche Sprache zum Ausdruck, die "massiv gefährdet ist". Auch um die Südtiroler Autonomie sei es laut Neubauer nicht gut bestellt, da diese "eine Aushöhlung erfährt". Diese sei sowieso "nur eine Übergangslösung auf dem Weg zur Selbstbestimmung".
Ein großes Problem für Südtirol sei auch die Zuwanderung. Werner Neubauer sprach von "25.000 neuen Wohnungen", die gebaut würden, "wenn die Zuwanderung so weiter geht". Von "gewissen Politikern" erwarte er sich "keine leeren Versprechen, sondern endlich Taten".
Schützen aus Algund und Lana feuerten unter dem Kommando von Hptm. Stephan Gutweniger eine Ehrensalve ab. Ein weiterer Höhepunkt der Gedenkfeier war die Enthüllung einer Tafel zu Ehren von Josef Noldin. Diese schmückt nun den Eingang am gleichnamigen Jugendhaus in Salurn. Die Gedenkfeier wurde von der Musikkapelle Salurn musikalisch gestaltet.